Webinar-Ergebnisse zur nichtfinanziellen Berichterstattung:

Fristverlängerung hebt Verpflichtungen nicht auf


Die Experten von BDO in der Ukraine haben ein praktisches Webinar zu den aktuellen Änderungen im Bereich der nichtfinanziellen Berichterstattung und den Auswirkungen der europäischen Richtlinien auf ukrainische Unternehmen durchgeführt.
Die Veranstaltung brachte Experten, Unternehmensvertreter und Berater zusammen, die wichtige Neuerungen, Herausforderungen und praktische Empfehlungen zur Vorbereitung auf die neuen Anforderungen diskutierten.

Die Teilnehmer des Webinars stellten fest, dass in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg des Interesses am Thema nichtfinanzielle Berichterstattung zu beobachten ist, was sowohl auf die europäische Integration als auch auf die gestiegenen Anforderungen internationaler Partner zurückzuführen ist. Gemäß den neuen EU-Richtlinien, insbesondere dem Omnibus-Paket , wurden die Fristen für die obligatorische Berichterstattung für viele Unternehmen verschoben, was zusätzliche Zeit für eine qualitativ hochwertige Vorbereitung und Umsetzung der erforderlichen Änderungen in den internen Prozessen bietet.


Omnibus-Paket und CSRD-Zeitplan


Olexandra Rjabzewa Spezialistin der ESG-Abteilung erklärte, dass das Omnibus-Paket von Änderungen darauf abzielt, die Berichtspflichten zu vereinfachen und zu straffen sowie die Transparenz und die Einhaltung des europäischen grünen Kurses zu gewährleisten. Sie erklärte, dass die Änderungen die Anzahl der von der Richtlinie betroffenen Unternehmen reduzieren und die Berichtsfristen für einige Phasen um zwei Jahre verschieben werden. Olexandra betonte die Bedeutung der Einführung der nichtfinanziellen Berichterstattung:

„Auch wenn Ihr Unternehmen derzeit nicht unter die Berichtspflichten der Richtlinien fällt oder Ihre Berichtsfrist verschoben wurde, bedeutet es nicht, dass Sie sich nicht mit der Finanzberichterstattung befassen sollten, da sie ein wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und die Beschaffung von Finanzmitteln ist.“ 

 



„Doppelte Wesentlichkeit“ – ein Schlüsselprinzip der Berichterstattung nach ESRS-Standards

Anastasija Skok, Leiterin der ESG-Abteilung bei BDO in der Ukraine, betonte die Bedeutung der doppelten Wesentlichkeit, die zwei Auswirkungen miteinander verbindet: die Auswirkungen auf die Umwelt und die Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität.

Die materielle Wesentlichkeit (Impact Materiality) bewertet die ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Unternehmens unter Berücksichtigung von Faktoren wie Ressourcenverbrauch, Emissionen, Einhaltung der Menschenrechte und Arbeitsbedingungen. Das ist die sogenannte „externe Perspektive“ – der Einfluss des Unternehmens auf die Umwelt.

Die finanzielle Wesentlichkeit (Financial Materiality) hingegen betrachtet, wie ökologische, soziale und managementbezogene Faktoren die finanzielle Lage eines Unternehmens, seine Rentabilität und seine Risiken beeinflussen. Das ist die „innere Perspektive“ – der Einfluss der Welt auf das Unternehmen.

An der Schnittstelle dieser beiden Dimensionen entsteht ein ganzheitliches Verständnis der ESG-Risiken und -Chancen, das es ermöglicht, strategische Entscheidungen zu treffen, anstatt lediglich die Berichtspflichten zu erfüllen. Dieser Ansatz verwandelt die Berichterstattung von einer reinen Formalität in einen integralen Bestandteil der Führungskultur und ebnet den Weg für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. 
 



Ukrainischer Kontext

Die Ukraine hat noch keine separate Regulierungsbehörde für die nichtfinanzielle Berichterstattung eingerichtet, aber eine Strategie zur Umsetzung der ESRS-Standards wurde bereits verabschiedet. Gemäß dieser Strategie soll die obligatorische nichtfinanzielle Berichterstattung für große Unternehmen im Jahr 2028 beginnen und anschließend auf mittlere und kleine Unternehmen ausgeweitet werden. Ukrainische Unternehmen, die mit EU-Partnern zusammenarbeiten oder an internationalen Ausschreibungen teilnehmen, müssen solche Berichte jedoch bereits heute erstellen, da jede Verzögerung zum Verlust von Verträgen und Partnerschaften führen könnte, wie Anastasija Skok feststellt. Die Expertin gab auch praktische Ratschläge zur Vorbereitung der Berichterstattung: 

„Am besten ist es, nicht einmal im Jahr alle Abteilungen zu überlasten. Stattdessen wäre es effektiver, alle Informationen das ganze Jahr über an einem Ort zu sammeln. So wird der Berichtsprozess zu einem integralen Bestandteil des Geschäftssystems wird und nicht zu einer eigenständigen Initiative mit einer festgelegten Frist.“



Erste Schritte zur Einführung der nichtfinanziellen Berichterstattung:

  1. Bereitschaft und Strategie bewerten – die bestehenden Nachhaltigkeitsprogramme prüfen und mit den Anforderungen der Richtlinie und den Standards vergleichen.
  2. Entwickeln oder aktualisieren Sie interne Richtlinien (Umweltmanagement, Ethikkodizes, Risikomanagementpolitik).
  3. Implementieren Sie ein Datenerfassungssystem – automatisieren Sie Prozesse, um manuelle Arbeit zu vermeiden.
  4. Schulung des Personals – insbesondere der Finanzabteilung, die häufig für die Erstellung der nichtfinanziellen Berichterstattung zuständig ist.
  5. Integrieren Sie die nichtfinanzielle Berichterstattung in die Finanzprozesse.
  6. Überwachen Sie kontinuierlich Aktualisierungen von Standards und Vorschriften.

 

Wiktorija Suchanenko, Leiterin der Abteilung für Gesundheits- und Sicherheitsberatung, stellte den klassischen internationalen Standard „für nichtfinanzielle Berichterstattung GRI" (GRI Standards) vor, dessen Grundsätze und Vorteile für ukrainische Unternehmen.

Sie betonte, dass GRI ein freiwilliger Standard ist, der es Unternehmen ermöglicht, ihre Berichterstattung schrittweise und ohne unnötige Komplexität zu entwickeln. Es handelt sich um einen der weltweit bekanntesten Standards für die nichtfinanzielle Berichterstattung, der auf den Grundsätzen der Transparenz, Vollständigkeit, Klarheit und Konsistenz basiert:

„GRI ist kein verbindlicher Standard, sondern eine freiwillige Initiative, deren Umsetzung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen mit erheblichen Ressourcen verbunden ist. Dieser Standard ermöglicht eine schrittweise Umsetzung des Berichtsprozesses.“



Die Rolle der Berichterstattung bei der Gewinnung ausländischer Investitionen

Die nichtfinanzielle Berichterstattung ist keine vorübergehende Modeerscheinung mehr, sondern hat sich zu einem wichtigen Indikator für die Vertrauenswürdigkeit von Investoren entwickelt. Transparenz in Fragen der Umweltverträglichkeit, des sozialen Bereichs und der Unternehmensführung ist entscheidend dafür, dass Unternehmen von internationalen Partnern verstanden werden und berechenbar sind. Das ist ein wichtiger Faktor bei Entscheidungen über die Gewinnung ausländischer Investitionen.

  1. Die nichtfinanzielle Berichterstattung ist ein Indikator für die Transparenz und Rechenschaftspflicht von Unternehmen und ermöglicht es ausländischen Investoren, die Risiken und das langfristige Potenzial eines Unternehmens besser einzuschätzen.
  2. Offenheit in Fragen der ökologischen, sozialen und Unternehmensführung schafft Vertrauen, ohne das ausländisches Kapital nicht in das Land fließt, insbesondere in Zeiten der Unsicherheit.
  3. Unternehmen, die Berichtsstandards wie ESRS oder GRI einführen, steigern ihren Ruf und verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung internationaler Partner und Investitionen.


In diesem Zusammenhang gibt auch BDO in der Ukraine den Ton an. Vor kurzem hat unser Unternehmen seinen eigenen ESG-Bericht für 2024 veröffentlicht, in dem praktische Schritte zur Integration von Nachhaltigkeitsprinzipien in die Unternehmensstrategie und die operative Tätigkeit vorgestellt werden. 

Das Webinar wurde von Andrij Borenkow, Leiter des Bereichs Advisory, moderiert, der für einen geordneten Ablauf der Diskussion sorgte. In seinen Kommentaren betonte er auch die Bedeutung der Automatisierung von Geschäftsprozessen als notwendige Voraussetzung für die Vorbereitung auf die Umsetzung der CSRD-Anforderungen und die Steigerung der Effizienz von Managemententscheidungen.


Wichtige Erkenntnisse aus dem Webinar:

1. Die Verschiebung von Fristen bedeutet nicht, dass die Anforderungen aufgehoben werden.
Die Verschiebung der Berichtsfristen verschafft den Unternehmen lediglich zusätzliche Zeit, um ihre Prozesse anzupassen, aber die Berichtspflicht bleibt bestehen. Unternehmen sollten heute mit der Entwicklung von Systemen zur Erfassung nichtfinanzieller Daten, zur Ermittlung relevanter Nachhaltigkeitsindikatoren und zur Durchführung interner Folgenabschätzungen beginnen.

2. ESRS als Grundlage für die zukünftige Berichterstattung.
Die ESRS-Standards schaffen einen klaren Rahmen für die Berichterstattung über nachhaltige Entwicklung. Ukrainische Unternehmen, die mit EU-Partnern zusammenarbeiten, müssen diese Standards bereits einhalten, obwohl die entsprechenden gesetzlichen Anforderungen noch harmonisiert werden.

3. Transparenz ist der Schlüssel zum Vertrauen der Investoren.
TDas Webinar betonte, dass die nichtfinanzielle Berichterstattung nicht nur eine formale Anforderung ist, sondern ein Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Die Offenlegung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen trägt dazu bei, das Vertrauen zwischen Partnern, Geldgebern und Verbrauchern zu stärken.

Die nichtfinanzielle Berichterstattung ist nicht nur eine neue gesetzliche Anforderung, sondern auch ein Instrument zum Aufbau von Vertrauen und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Sie erleichtert den Aufbau internationaler Partnerschaften, Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten, da sie einen systematischen Ansatz für nachhaltige Entwicklung demonstriert. Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, welcher Berichtsstandard – ESRS oder GRI – für Ihr Unternehmen am besten geeignet ist, empfehlen wir Ihnen die Lektüre des analytischen Artikels “ESRS oder GRI: Was sollte in der Ukraine verwendet werden?

Das Team von BDO in der Ukraine hilft Ihnen gerne dabei, den richtigen Ansatz zu wählen, die Berichtsbereitschaft Ihres Unternehmens zu bewerten und praktische Lösungen für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung zu implementieren. Wenden Sie sich an unsere Experten und machen Sie noch heute den ersten Schritt zu einer transparenten und verantwortungsvollen Unternehmensführung.

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Wiktorija Suchanenko

Leiterin der Abteilung für Gesundheits- und Sicherheitsberatung
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