Der Ukrainische Agrarwirtschaftsclub organisierte gemeinsam mit I.P.Cert ein Online-Seminar zu den praktischen Aspekten der Umsetzung der EU-Verordnung 2023/1115 (EUDR) für ukrainische Sojaproduzenten, -verarbeiter und -exporteure.
Exporteure, Vertreter staatlicher Behörden sowie Compliance- und Zertifizierungsexperten teil. Ziel der Veranstaltung war es, die neuen Anforderungen für den Export von Agrarprodukten in die EU zu erläutern und Instrumente zur Anpassung der Unternehmen an die europäischen Nachhaltigkeitsstandards bereitzustellen.
Bedeutung und Kernpunkte der EUDR für den ukrainischen Agrarsektor
Die EUDR-Verordnung ist die Antwort der EU auf globale ökologische Herausforderungen und zielt darauf ab, die Abholzung der Wälder zu verringern, die biologische Vielfalt zu erhalten und die Treibhausgasemissionen zu senken. Er legt Anforderungen für den Zugang zum EU-Markt fest, die vorsehen, dass nach dem 31. Dezember 2020 keine Verbindung zur Entwaldung besteht, die Produktion unter Einhaltung der Land-, Umwelt-, Steuer- und Arbeitsgesetze legal ist, die Prozesse vollständig dokumentiert werden und Waren wie Soja, Kakao, Palmöl, Rindfleisch, Kaffee, Holz und deren Derivate.
Für ukrainische Exporteure von Soja und Sojaprodukten bedeutet die EUDR:
- Ein Exportverbot für Produkte, die auf Flächen angebaut wurden, die nach dem 31. Dezember 2020 abgeholzt wurden
- Die Notwendigkeit, die Rechtmäßigkeit der Landnutzung, die Einhaltung von Umwelt-, Arbeits-, Antikorruptions- und anderen Vorschriften nachzuweisen
- Die Anforderung der vollständigen Rückverfolgbarkeit jeder Charge zu einem bestimmten Grundstück durch Geokoordinaten und Systemaudits.
Die Ukraine hat den Status eines Landes mit geringem Risiko erhalten, was bestimmte Verfahren vereinfacht, jedoch nicht die Anforderungen hinsichtlich der Erfassung von Geodaten, der Dokumentation und der Kontrolle aufhebt. Die Einhaltung der EUDR wird zur Pflicht für ukrainische Agrarunternehmen, die Außenhandelsbeziehungen mit EU-Ländern unterhalten, und ist ein wichtiger Faktor für das Vertrauen der europäischen Partner, was den Weg für lukrative Verträge und langfristige Beziehungen ebnet.
Dokumentation und digitale Rückverfolgbarkeit
Gemäß EUDR werden für jede Produktcharge die genauen Geokoordinaten der Felder erfasst (bis zu 4 ha – Zentroid, über 4 ha – Polygon mit mindestens 4 Punkten). Die Katasternummer ist nicht obligatorisch, erhöht jedoch die Rechtssicherheit und vereinfacht die Prüfung. Alle Informationen über Lieferanten, Felder, Mengen, Liefertermine, Dokumente über die Rechtmäßigkeit der Produktion und die Umweltverträglichkeit werden mindestens 5 Jahre lang aufbewahrt. Jede Charge erhält eine eindeutige Kennung, mit der ihr Weg vom Feld bis zum Lager und zum Export verfolgt werden kann. Die Dokumentation enthält Auszüge aus Grundbuchregistern, Pachtverträge, Zertifikate, Selbstdeklarationen zur Einhaltung von Umwelt-, Arbeits- und Antikorruptionsgesetzen, Bescheinigungen über die Abwesenheit von Steuerschulden sowie Ergebnisse der Satellitenüberwachung.
Die Einführung digitaler Rückverfolgbarkeitssysteme (elektronische Journale, QR-Codes, Integration mit TRACES NT) vereinfacht die Vorbereitung auf Kontrollen erheblich und erhöht das Vertrauen der europäischen Partner.
Interne Kontrolle, Prüfung und Risikomanagement
Das Kontrollsystem sieht die Einführung von „roten Flaggen“ vor, um Unstimmigkeiten zu erkennen: Entwaldungsrisiko, Gesetzesverstöße, unkontrollierte Vermischung von konformen und nicht konformen Produkten. Selektive physische Audits von Lieferanten sind zum Standard geworden: Ihre Häufigkeit hängt vom Risikoniveau der Lieferkette ab (von 20 % bis 100 % jährlich). Alle Teilnehmer der Kette müssen interne Kontrollen einführen, die es ermöglichen, Dokumente auf Anfrage eines Auditors oder einer Kontrollbehörde schnell vorzulegen. Für komplexe Lieferketten wird empfohlen, externe Auditoren und Beratungsunternehmen hinzuzuziehen sowie zentralisierte digitale Plattformen zur Automatisierung von Prozessen und zur Erhöhung der Transparenz einzuführen.
Ein risikoorientierter Ansatz ermöglicht die Optimierung der Auditkosten: Für einfache Ketten reicht eine grundlegende Kontrolle aus, für komplexe Ketten sind eine mehrstufige Überwachung und ein externes Audit erforderlich. Besondere Aufmerksamkeit erfordern gemischte Chargen: Für sie gilt das „200 %“-Prinzip: Alle Felder, von denen potenziell Rohstoffe stammen könnten, werden deklariert.
Bereitschaft zu Kontrollen und Zusammenarbeit mit den Kontrollbehörden
Landwirtschaftliche Erzeuger und Exporteure müssen bereit sein, die Herkunft jeder Charge vom Feld bis zum Lager zu bestätigen. Alle Dokumente und Geodaten müssen geordnet und für Exporteure, Auditoren oder zuständige EU-Behörden fünf Jahre lang zur Überprüfung verfügbar sein. Die Einreichung der Erklärung über die ordnungsgemäße Überprüfung (DDS) erfolgt über die elektronische Plattform TRACES NT, die in die Zollsysteme der EU integriert ist. TRACES NT ist ein Instrument zur Einreichung von DDS, das ein digitales Archiv enthält, mit dem schnell auf Anfragen von Kontrollbehörden reagiert werden kann und das das Risiko von Verzögerungen bei der Einfuhr an der Grenze minimiert. Bei Verstößen sind Produktrücknahmen, Geldstrafen von bis zu 4 % des Umsatzes und vorübergehende Exportverbote möglich.
Praktische Erfahrungen und wichtige Ansätze aus dem Marktleitfaden
Der von UCAAB und I.P.Cert entwickelte Marktleitfaden enthält detaillierte Algorithmen für die Einführung von Rückverfolgbarkeitssystemen, Dokumentvorlagen, Beispiele für die Gestaltung von Geodaten sowie Anweisungen zur Organisation der internen Kontrolle und Prüfung. Es werden verschiedene Modelle der Rückverfolgbarkeit beschrieben – vom strengsten (mit Beibehaltung der Identität jeder Charge) bis hin zu einer clusterbasierten und zentralisierten digitalen Plattform.
- IP-Modell (Beibehaltung der Identität): maximale Transparenz, Premium-Verträge, höchstes Maß an Vertrauen.
- Partienmodell: Flexibilität für Silos und große Händler, kontrollierte Vermischung konformer Partien mit vollständiger Dokumentation.
- Clustermodell: optimal für Genossenschaften und Agrarholdings, zentralisierte Kontrolle und Vereinfachung für kleine Produzenten.
- Zentralisiertes Modell: nationale digitale Plattform zur Automatisierung der Rückverfolgbarkeit, Minimierung manueller Arbeit und Erhöhung der Transparenz.
Die Verwendung internationaler Zertifizierungssysteme (ISCC, Donau Soja, Europe Soya, ProTerra) erhöht das Vertrauen in ukrainische Produkte, befreit jedoch nicht von der Verpflichtung zur vollständigen Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
Schlussfolgerungen
Die Einhaltung der EUDR-Vorschriften ist ein komplexer Prozess, der eine systematische Arbeit mit Geodaten, Dokumentation, internen Kontrollen und Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette erfordert. Die Nichteinhaltung der Anforderungen führt zum Verlust des Zugangs zum EU-Markt und zu finanziellen Sanktionen. Ukrainische Agrarproduzenten, die digitale Buchhaltungssysteme einführen, ihr Personal schulen, offizielle Leitfäden nutzen und Beratungspartner hinzuziehen, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil auf dem europäischen Markt. Die Einführung der EUDR ist eine Investition in das Vertrauen der europäischen Partner, die Stabilität der Exporte und die nachhaltige Entwicklung des ukrainischen Agrarsektors. BDO in der Ukraine unterstützt die Agrarwirtschaft in Zeiten des Wandels: Automatisierung von Geschäftsprozessen, Prüfung, Buchhaltung – alles, um Transparenz und die Einhaltung der Anforderungen des EU-Marktes zu gewährleisten. Bitte wenden Sie sich an uns, damit Ihr Unternehmen wettbewerbsfähig und für neue Herausforderungen gerüstet bleibt.
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